Alles begann mit einer schlichten Bestandsaufnahme

Was kann ich? Was habe ich? Was könnte gebraucht werden? Was kann ich anbieten, um eine neue berufliche Perspektive zu gewinnen?

So sonderbar es aus heutiger Sicht auch klingen mag, aber mir schoss damals der Gedanke „Livestreaming“ durch den Kopf. Möglicherweise auch, weil sich unsere Kirchengemeinde mit der Aufgabe konfrontiert sah, eine Möglichkeit zu suchen, um im Lockdown Menschen einen sonntäglichen Gottesdienst bieten zu können.

Alles, was ich zum Streaming benötigte, hatte ich bereits in meinem Studio. Licht, Kameras, Stative, Computer, Glasfaseranschluss. So begann der erste Gedanke konkrete Formen anzunehmen.

Wie ein trockener Schwamm sog ich jede Information zum Thema Livestreaming auf, die ich finden konnte. YouTube-Videos zu Hard- und Software, unzählige Anwenderberichte füllten meinen Alltag. Kürzel wie RTP, RTSP, WebRTC, SRT, NDI, DVE, LUT, BT.709 oder 12G-SDI zogen in meinem Kopf ein und erschlossen sich nach und nach. Doch grau ist alle Theorie. Praxis musste her, und zwar schnell. Bereits im ersten Monat mit meinem neuen Arbeitsgebiet begann ich mit der Übertragung des sonntäglichen Gottesdienstes. Zunächst mit einer Kamera, dann, man will den Zuschauern ja etwas bieten, mit einer zweiten Kamera. Mit jedem dieser Livestreams nahm die Erfahrung zu, wuchs das Verständnis: Ton über XLR ist schneller als das Videosignal über HDMI, die Latenz zwischen der Aufnahme vor Ort und dem Stream auf der Website liegt schon mal bei 30 Sekunden, ein Kamerawechsel sollte nicht mitten im Satz erfolgen und und und.